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Kitsch, KI & Krokodilstränen: Warum wir Weihnachtswerbung lieben (und hassen)

19. Dezember 2025
Manchmal frage ich mich, ob die Welt noch einen Marketing-Podcast braucht. Die Antwort ist meistens: Nein. Aber dann passieren Dinge wie in diesem Jahr, wo große Brands beschließen, die emotionalste Zeit des Jahres komplett von Maschinen generieren zu lassen – und plötzlich gibt es doch Redebedarf.
In unserer aktuellen Folge von „Pitch nach 3“ (Weihnachts-Edition!) sitzen Jenny, Roman und ich zusammen und zerlegen den aktuellen Wahnsinn der Weihnachtswerbung. Warum fangen wir Agenturen damit eigentlich schon an, wenn draußen noch Badehosen-Wetter ist? Warum muss Werbung zum Fest immer so verdammt traurig sein? Und vor allem: Haben wir den „Uncanny Valley“-Moment jetzt offiziell erreicht?
Hört mal rein – danach gibt’s hier unten die harten Fakten, die im Podcast fast untergegangen wären.
Coca-Cola, McDonald’s und der „AI-Slop“
Wir sprechen in der Folge ausführlich über Coca-Cola. Dass die den modernen Weihnachtsmann nicht erfunden, aber 1931 durch den Zeichner Haddon Sundblom massiv standardisiert haben, ist bekannt. Was dieses Jahr aber neu ist: Der Getränkeriese hat seinen ikonischen „Holidays are Coming“-Spot fast vollständig per KI generiert. Das Ergebnis wirkt auf viele (mich eingeschlossen) seelenlos.
Update zur Folge:
Während wir aufgenommen haben, hat McDonald’s in den Niederlanden noch einen draufgesetzt.
Falls ihr euch fragt, wie schlimm es sein kann: McDonald’s musste seinen KI-Weihnachtsspot nach einem massiven Shitstorm wieder offline nehmen. Der 45-Sekünder zeigte surreale, fast gruselige Szenen von Weihnachtschaos – brennende Plätzchen, Gesichter, die nicht ganz stimmen, eine Atmosphäre wie in einem Fiebertraum. Die Message „Gönn dir ’ne Auszeit bei McDonald’s“ ging völlig unter.
Das Netz nennt das mittlerweile „AI Slop“ – billig produzierter KI-Müll, der echte Kreativität ersetzen soll. Und das zeigt ganz gut, wo wir bei Onelio die Grenze ziehen: KI ist ein Werkzeug, kein Künstler. Wenn es um Emotionen geht – und worum geht es an Weihnachten sonst? – dann merken Menschen den Unterschied zwischen einem echten Lächeln und einem generierten Prompt.
Sadvertising: Muss Opa sterben, damit wir was fühlen?
Ein weiterer Punkt, über den wir diskutiert haben, ist das sogenannte „Sadvertising“. Der unangefochtene Endgegner ist hier natürlich Edeka mit #heimkommen aus 2015.
Hier ein paar Zahlen, die im Podcast gefehlt haben:
- Der Spot hat bis heute knapp 70 Millionen Views auf YouTube.
- Er gilt als einer der viralsten deutschen Werbespots aller Zeiten.
Psychologisch ist das clever: In der dunklen Jahreszeit (Stichwort: Seasonal Affective Disorder) sind wir empfänglicher für Melancholie. Aber die Grenze zur emotionalen Erpressung ist schmal. Wenn eine Marke mir erst ein schlechtes Gewissen machen muss, damit ich ihre Produkte kaufe, läuft im Marketing etwas schief.
Dass es auch anders geht, zeigt Amazon dieses Jahr: Storytelling mit Happy End, ohne den moralischen Zeigefinger. Ein Trend, den wir bei Onelio absolut unterstützen. Authentizität schlägt Drama.
Unser Takeaway für euer Marketing
Was wir euch – abseits von Rants über Großkonzerne – mitgeben wollen:
- Persönlichkeit gewinnt: Ihr braucht kein Millionen-Budget. Ein authentisches Video von eurem Team (wie Romans Keks-Back-Aktion im Podcast) schlägt jeden Hochglanz-KI-Spot.
- Timing ist Respekt: Wer erst am 20. Dezember anfängt, hat schon verloren. Gute Kampagnen brauchen Vorlauf – auch wenn es wehtut, im August an Lebkuchen zu denken.
- Haltung zeigen: Wir unterstützen seit Jahren das Kinderhospiz Regenbogenland. Weihnachten ist auch die Zeit, etwas zurückzugeben. Das ist kein Marketing-Move, das ist eine Haltungsfrage.
Ein kurzer Moment der Ruhe
Bevor wir hier bei Onelio die Rechner runterfahren und uns in die Feiertage verabschieden, noch ein persönliches Wort an euch – unsere Kunden, Partner und Freunde.
Danke, dass ihr dieses Jahr mit uns durchgezogen habt. Danke für das Vertrauen, wenn wir mal wieder gesagt haben: „Nein, das machen wir nicht so, das geht besser.“ Danke für die spannenden Projekte, von Webdesign bis hin zu wilden SEO-Strategien.
Wir wünschen euch, euren Familien (und ja, auch euren Haustieren) eine Zeit, die mal nicht „optimiert“ ist. Schaltet ab, esst gut und lasst das Handy mal liegen.
Wir hören und sehen uns im Januar wieder – frisch, motiviert und garantiert ohne generierte Weihnachtsgrüße.
Frohes Fest,
Florian & das gesamte Team von Onelio
Hier geht’s zur Folge
Wenn du mit deiner Marke nicht nur auf Threads auftauchen, sondern auch bei Google und in KI-Suchen ganz vorne mitspielen willst, lohnt sich ein Blick auf unsere SEO- und Social-Media-Leistungen. Wir setzen um, statt nur zu erzählen.

